Santé Solaire - Grünes Licht für mehr Gesundheit

In vielen ländlichen Regionen Westafrikas können Gemeinden Strom oft nur durch teure Diesel-Generatoren erzeugen oder müssen ganz ohne Elektrizität auskommen. Die Schweizer Umweltorganisation Solafrica installiert Photovoltaikanlagen auf lokalen Gesundheitszentren und ermöglicht so eine sichere, saubere und klimafreundliche Stromversorgung. Unterstützt von der Umweltstiftung Greenpeace stellt das Programm „Santé Solaire“ sicher, dass die medizinische Infrastruktur jederzeit zuverlässig betrieben wird.

Das Gesundheitszentrum in Huiléhoé (Togo) erstrahlt in hellem Schein und bietet der Gemeinschaft auch bei Nacht Sicherheit und medizinische Versorgung. Foto © Solafrica

Wenn es bei der Arbeit plötzlich dunkel wird

Stellen Sie sich vor, eine Hebamme hilft mitten in der Nacht bei einer schwierigen Geburt – und auf einmal ist es dunkel. Was hierzulande kaum vorstellbar ist, gehört für viele Patient:innen und das medizinische Personal in Ländern wie Burkina Faso, Togo oder Niger zum Alltag. Ohne Strom funktionieren weder Beatmungsgeräte noch Kühlschränke für Impfstoffe; oft bleibt nur die Taschenlampe im Mund als einzige Lichtquelle.

Hier setzt Solafrica an: Seit 2020 stattet die Organisation Gesundheitszentren mit Solarenergie aus. Die Wirkung ist unmittelbar: „Bei der Geburt meines vierten Kindes war alles anders“, berichtet Immaculée Yawa Miafo, eine Patientin aus Togo. „Der Raum war hell erleuchtet, ich fühlte mich sicher und wir waren alle glücklich“.

Immaculée Yawa Miafo brachte ihr viertes Kind in einem mit Solarstrom versorgten Gesundheitszentrum zur Welt. Foto © Solafrica

Erfolg durch Verankerung vor Ort: Wissen und Mitgestaltung als Fundament

Der Kern des Erfolgs von „Santé Solaire“ liegt in einem ganzheitlichen Ansatz, der technische Innovation untrennbar mit der aktiven Einbindung der Menschen vor Ort verknüpft. Solafrica ist überzeugt, dass nachhaltige Entwicklung nur dann gelingt, wenn die Beteiligten die Projekte maßgeblich mitgestalten und von Beginn an echte Verantwortung für ihre eigene Energieversorgung übernehmen.

In der ersten Phase (2023–2025) konnten die Erwartungen weit übertroffen werden: Statt der geplanten 100.000 Menschen profitieren bereits über 365.000 Personen von der neuen Infrastruktur. Insgesamt wurden in Burkina Faso, Togo und Niger 44 Photovoltaikanlagen und sechs Solarkühlschränke installiert. Doch es wurden nicht nur Kabel verlegt und Paneele montiert: Gezielte Trainings bilden die Basis für den Betrieb und die Wartung der Anlagen durch lokale Kräfte.

Die nächste Etappe: Fachkompetenz als Motor

In der neuen Programmphase (2026–2029) wird diese Verankerung von Fachwissen deutlich ausgebaut, um die Elektrifizierung im Gesundheitssektor beständig voranzutreiben. Das ambitionierte Ziel ist es, insgesamt 42 weitere Gesundheitszentren in Burkina Faso, Togo, Niger und neu auch im Senegal mit Solarenergie auszustatten.

Um die gemeindenahe Unabhängigkeit dauerhaft zu sichern, verfolgt Solafrica eine integrierte Strategie: Technischer Fortschritt und regionale Expertise greifen ineinander. Herzstück ist ein neues regionales Kompetenzzentrum in Dakar, das als zentraler Ort für Beratung und Weiterbildung dient. Hier werden Fachkräfte zu Expert:innen ausgebildet, die ihr Wissen anschließend als Multiplikator:innen in ihre eigenen Gemeinden tragen.

Dieser Wissenstransfer wird durch einen intensiven Süd-Süd-Austausch innerhalb Westafrikas verstärkt: Erfahrene Teams, beispielsweise aus Burkina Faso, geben ihr Spezialwissen im Bereich moderner Lithium-Batterien direkt an Kollegen in Togo oder Niger weiter. Indem Expert:innen der Region für die Region arbeiten, wird die technische Aneignung beschleunigt und die Selbstständigkeit der Strukturen vor Ort nachhaltig gestärkt.

Um den Betrieb der Anlagen über Jahrzehnte sicherzustellen, wird ein eigenständiges Wartungssystem aufgebaut. Solafrica setzt dabei auf industriell hochwertige Komponenten, die auch extremen klimatischen Bedingungen standhalten. Denn nur eine verlässliche Technik schafft das nötige Vertrauen der Bevölkerung in die neue Energieform. Gemeindevertreter:innen und technisches Personal werden direkt an den Standorten geschult, sodass sie die tägliche Wartung und kleinere Reparaturen eigenständig übernehmen können. Dies stärkt die Eigenverantwortung und sichert die Langlebigkeit der Technik. Ergänzend werden diese Maßnahmen durch ein digitales Wissensportal und praxisnahe Handbücher in Landessprachen wie Wolof unterstützt. So bleibt das technische Know-how dauerhaft und niedrigschwellig für alle zugänglich.

Hilfe, die Wurzeln schlägt

Die politische Lage in der Region ist oft instabil, doch die enge Zusammenarbeit mit starken Partnern und die Einbindung der Dorfgemeinschaften machen das Programm resilient. „Für eine lebenswerte Zukunft müssen Entwicklungszusammenarbeit und Klimaschutz Hand in Hand gehen“, betont die Projektverantwortliche Hélène Genolet von Solafrica. „Durch die Verbindung von moderner Solartechnik und tiefgreifender lokaler Ausbildung schenken wir den Menschen in Westafrika nicht nur Licht, sondern die Werkzeuge für eine selbstbestimmte und gesündere Zukunft.“