Borealer-Urwald-in-Kanada


Waldschutz für Kanada gehört zu dem Themenfonds B.

Waldschutz für Kanada

Die kanadische Holzindustrie und Umweltverbände einigten sich 2010 auf das bislang größte Waldschutzabkommen der Welt. Die Umweltstiftung Greenpeace finanziert Greenpeace Kanada eine Projektstelle für die wichtigen Detailverhandlungen danach.

Sechs Jahre hat es gedauert, bis Umweltschützer die Sägen in Kanadas nordischen Urwäldern zumindest vorläufig zum Schweigen brachten: Im Mai 2010 unterzeichnete Greenpeace zusammen mit anderen Umweltschutzgruppen und der kanadischen Holzindustrie das größte Waldabkommen der Welt. Es umfasst 72 Millionen Hektar Wald, eine Fläche doppelt so groß wie Deutschland. Sie erstreckt sich über sieben Provinzen von British Columbia bis nach Neufundland. Für 28 Millionen Hektar gilt bis 2012 ein sofortiger Einschlagstopp. Im Gegenzug haben die Umweltschützer den Unterzeichnern zugesagt, ihre Protestaktionen auf Eis zu legen – wenigstens solange, bis entschieden ist, was langfristig mit dem Urwald geschehen wird.

Waldkaribus

 

 

 

 

 

 

Das für Kanada so typische Waldkaribu ist durch massive Rodungen in einigen Gebieten borealen Urwalds vom Aussterben bedroht.

„Unsere langjährige Kampagne zum Schutz des kanadischen Urwaldes hat diesen ambitionierten Einschlagstopp ermöglicht“, sagt Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge. Friedliche Protestaktionen und vor allem der Druck von Papier- und Holz-Abnehmern haben wesentlich zur Einigung beigetragen. Vertreter großer deutscher Zeitungsverlage (Axel Springer, WAZ und DuMont) hatten sich nach Gesprächen mit Greenpeace bei ihren kanadischen Papierlieferanten verstärkt für den Urwaldschutz eingesetzt. Im jetzt vorläufig geschützten Gebiet leben Bären, Wölfe und das für Kanada so typische Waldkaribu. Das Rentier ziert die kanadische 25-Cent-Münze. Doch mittlerweile ist es so selten, dass Wissenschaftler in einigen Regionen seine Ausrottung befürchten. Und auch der Lebensraum der indigenen Bevölkerung ist durch den massiven Kahlschlag bedroht.

Verhandlungsmarathon für eine ökologischen Waldwirtschaft

Mit der Unterzeichnung des 71-seitigen Abkommens sitzen endlich Wissenschaftler, Vertreter der Holzindustrie und Umweltschützer an einem Tisch. In einem Verhandlungsmarathon von drei Jahren wollen sie ein langfristiges Schutzprogramm für die borealen Urwälder Kanadas entwerfen, das auch für andere Regionen in der Welt modellhaft sein könnte. Erreicht werden soll vor allem eine ökologischere Waldwirtschaft sowie die Ausweisung von dauerhaften Waldschutzgebieten. Um den ambitionierten Zeitplan einzuhalten, überprüft ein unabhängiges Gutachterteam regelmäßig die Fortschritte bei den Verhandlungen.

Protest-vor-Bonner-Botschaft

 

 

 

 

 

 

Bereits Ende der 1990er-Jahre protestiert Greenpeace mit Nuxhalk-Häuptling für den Urwaldschutz in Kanada.

Vorbild: Küsten-Regenwald des Großen Bären

Wie wichtig es ist, auch nach ersten Erfolgen am Ball zu bleiben, zeigt das Beispiel des „Great Bear Rainforest“ an der Westküste Kanadas. Bereits Anfang 2001 hatte Greenpeace für den größten gemäßigten Küsten-Regenwald der Welt auf einer Fläche von 1,2 Millionen Hektar einen vorläufigen Einschlagstopp erreicht. Während die Motorsägen schwiegen, begannen mehrjährige wissenschaftlich begleitete Verhandlungen zwischen Greenpeace und der Holz- und Papierindustrie, die 2006 in einem Schutzvorschlag für den Regenwald des Großen Bären mündeten. Im März 2009 endete die Umsetzungsphase. Das Ergebnis: 2,1 Millionen Hektar Wald – eine Fläche fast halb so groß wie die Schweiz – wurde dauerhaft unter Schutz gestellt, weitere 700.000 Hektar sind für Bergbau und Forstwirtschaft gesperrt.

Um die Verhandlungen für den Schutz des borealen kanadischen Urwalds ebenso erfolgreich führen zu können, braucht das Team der Waldexperten von Greenpeace Kanada Verstärkung. Deshalb finanziert die Umweltstiftung Greenpeace für zwei Jahre eine Projektstelle.

www.canadianborealforestagreement.com (engl.)

www.greenpeace.org/canada/en/campaigns/boreal/Learn-about (engl.)