
Arche Warder: Zukunft für bedrohte Haustierrassen
Nach dem ersten großen Projekt musste die Umweltstiftung Greenpeace nicht lange suchen: Als dem Tierpark Arche Warder 2003 die Insolvenz drohte, stand der Verlust vieler alter Haustierrassen auf dem Spiel – diesen genetischen Reichtum galt es zu retten.
Haben Sie schon mal eine Lockengans gesehen? Oder wussten Sie, dass der Westfälische Totleger eine sehr widerstandsfähige Hühnerrasse ist? Diese und andere Haus- und Nutztierrassen sind über Jahrhunderte hinweg durch Züchtungen entstanden und heute vielfach vom Aussterben bedroht.
Der Poitou-Eselhengst "Prosper du Parc" konnte dank einer Spende des Ehepaars Hoffmann gekauft werden.
Selten wie der Sibirische Tiger
Das Bunte Bentheimer Schwein oder die Walachenschafe sind heute genauso selten wie der Sibirische Tiger oder Berggorillas. Die Arche Warder hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese alten Rassen zu erhalten – als genetische Reserve und Alternative zu den überzüchteten Hochleistungstieren.Auf einem wunderschönen, weitläufigen, 40 Hektar großen Parkgelände in der Nähe von Kiel leben zurzeit rund 800 Tiere aus 70 verschiedenen Rassen. Die Arche Warder ist damit europaweit das größte Zentrum für alte und bedrohte Nutztierrassen.
Gerade die alten Rassen sind den auf Hochleistung getrimmten Tieren der Massenbetriebe in vielem überlegen: Sie sind robuster und kommen auch mit kargeren Böden und rauerem Klima zurecht. Genau dies könnte bei verändertenklimatischen Bedingungen und plötzlich auftretenden Seuchen wieder wichtig werden.
Welche Eigenschaften die alten Rassen genau auszeichnen und wie sich Züchtungsbemühungen verbessern lassen, damit beschäftigt sich seit 2007 der wissenschaftliche Beirat der Arche Warder. Das Gremium aus Wissenschaftlern und Fachleuten unterstützt Forschungsarbeiten und trägt dazu bei, die Arbeit in der Arche Warder ständig zu verbessern.
Alte Rassen wieder entdecken
Für die Umweltstiftung Greenpeace waren Artenvielfalt und Tierschutz von Anfang an sehr wichtig. Mit ihren ersten Zinserträgen kaufte die Stiftung im Jahr 2000 dem Versuchshof Frankenhausen der Universität Kassel für 1278 Euro ein junges Altdeutsches Schwarzbuntes Niederungsrind. Der Fachbereich Ökologische Landwirtschaft prüft, wie sich diese gefährdete Rasse im ökologischen Landbau nutzen lässt. Mittlerweile leben in Frankenhausen 100 Milchkühe dieser Rasse.
An eine eigene Milchproduktion ist in der Arche zwar nicht zu denken – hier leben von den Altdeutschen Schwarzbunten Niederungsrindern nur ein paar Kühe mit ihren Kälbern –, aber in dem kleinen Hofladen auf dem Gelände werden auch Fleisch- und Wurstwaren von den eigenen Tieren angeboten. Der Verkauf unterstützt das wichtigste Anliegen der Arche Warder, durch Zucht den Erhalt der alten Rassen zu sichern. So paradox es auch klingen mag: Mit dem Verzehr eines Schnitzels vom Bentheimer Schwein fördert man dessen Erhalt. Denn bei Nutztieren gilt: Nur was sich verkauft, kann dauerhaft geschützt werden.
Ein weiterer wichtiger Ansatz der Arche ist das pädagogische Konzept. Ob im Streichelhof oder in der Steinzeitsiedlung, auf einer Kinderfreizeit oder bei einer der zahlreichen Veranstaltungen – die großen und kleinen Besucher können in der Arche Warder hautnah erleben, wie Hühner, Schweine und Kühe eigentlich leben sollten: artgerecht und in einer natürlichen Umgebung.
Alt-Oldenburger Stute mit ihrem Fohlen
Genetische Reserve durfte nicht verloren gehen
Als dem Tierpark Warder 2003 die Insolvenz drohte, beschlossen Umweltstiftung Greenpeace und Greenpeace e.V. zu handeln. Die einmalige genetische Reserve für die ökologische Landwirtschaft und Landschaftspflege durfte nicht verloren gehen. Sie spendeten deshalb dem neu gegründeten gemeinnützigen Trägerverein „Arche Warder – Zentrum für alte Haus- und Nutztierrassen e.V.“ größere Beträge. Dieser kaufte davon landwirtschaftliche Nutzflächen sowie weitere Tiere. Zusätzlich investierte die Umweltstiftung in Hofställe und Gebäude, die sie an den Trägerverein verpachtet. So kommen die Erträge unmittelbar dem Tier- und Artenschutz zugute und sind gleichzeitig langfristig angelegt.
Vor allem zu Beginn fielen umfangreiche Renovierungs- und Umbauarbeiten an. Zur Neueröffnung im Mai 2004 schenkte die Stiftung dem Trägerverein zwei trächtige Alt-Oldenburger- Stuten – eine extrem gefährdete Pferderasse. Mit einer großzügigen Patenschaft von jährlich 20.000 Euro sorgt die Stiftung auch weiterhin für die inzwischen sechs Stuten. Um Anlage, Tierbestand und das pädagogische Angebot zu pflegen und zu erweitern, erhält die Arche auch in Zukunft Unterstützung. Ein Teil davon stammt seit 2007 aus Erträgen der Elfriede Hoffmann-Namenszustiftung.
Jedes Jahr erfreuen sich tausende Besucher an der Arche und ihren liebenswerten Bewohnern. Kommen auch Sie einmal vorbei, und lernen Sie dieses einzigartige Artenschutzprojekt kennen:
Langwedeler Weg 11, 24646 Warder, Tel.: 04329 / 91340





